DIE MACHT DER SPRACHE

DEZEMBER 2020

Die ständig steigenden Zahlen vom Umsatz pflanzlich hergestellter Lebensmittel sind der Tierfleischindustrie ein Dorn im Auge, kurzum steht deren Lobby heulend vor dem EU-Parlament.

Ihre Klage: Bezeichnungen wie: Schnitzel, Burger, Würstchen, Steak und Co gedruckt auf Verpackungen von nicht-tierischen Produkten würden den Verbraucher irritieren, welcher dann komplett hirnlos zu nicht gewollter Pflanzennahrung greift.

Dass  den meisten  Verbraucher  dies nicht passieren kann, wird außer Acht gelassen. Die restlichen  trinken wahrscheinlich Scheuermilch und bestellen Zahnpasta bei ihrem Lieblingsitaliener, welche Unbeholfenheit ich einem anderen Thema zuschreiben würde.

De facto geht es wie so oft nur um wirtschaftliche Interessen, wobei mir, bei deren Unterstützung vom EU-Parlament, wieder einmal der Glaube an den gesunden Menschenverstandes abhanden gekommen wäre, da sich das Parlament hohe Ziele puncto Klimawandel setzt und mit dieser Thematik bei anderen Institutionen an die Türe klopft.

Kapitalismus versus Klima. Immer die Gleichen im Ring meiner Interessengebiete. Der Mensch ist auch nur ein Gewohnheitstier.

Kommen wir noch einmal zurück zur Irreführung des Verbrauchers. Auch wir „Gutmenschen“ machen uns Gedanken über den Gebrauch von Wörtern und deren zu hinterfragende Glaubwürdigkeit. Wenn alles so klar sein muss, wie betrachten wir das Wort „artgerecht“, oder „humane Art des Tötens“. Warum bleiben solche Begrifflichkeiten trotz ihrer Irreführung bei vielen Menschen unthematisiert oder werden gar bestritten? Weil es seit Jahren so gemacht worden ist und dadurch berechtigt ist? Warum liegt uns das Konventionelle so nah? Sogar dann, wenn die Existenz aller Erdlinge auf der Kippe steht? Der Mensch ist auch nur ein Gewohnheitstier.

Jeder Konsument im westlichen („Werte“) System wird beim Einkauf „fair“arscht (Titel eines lesenswerten, aufklärerischen Buches von Sina Trinkwalder).

Angefangen bei den Labels die oft nicht mal die Hälfte bieten von dem, was man darunter verstehen würde, über Greenwashing, welches im kapitalistischen Denken seit Jahren schon total im Trend steht, bis hin zu gelogenen Produktcovern die etwas aufzeigen, was nicht der Realität entspricht. Aber von einem Sojaschnitzel sich hintergangen fühlen. Liegt die Wahrheit im Auge des Betrachters? Welcher nur betrachtet und nicht denkt? Das gemeine Volk, welches schon von Religionen mit ihrer Zensur und eigenem Schaffen von Mythologien die Herde in die Richtung lenkt, wo es sie gebrauchen kann. Kommen wir damit nicht in Richtung eines totalitären Denkens?

Worte haben Kraft. Sprache und Symbolik eine große Macht auf die Psyche, daraufhin auch das Handeln des Menschen. Dabei sind Worte wie „Frikadelle“ nur kulturelle Errungenschaften, welche wir auch mit gutem Willen und Mut zur Veränderung erweitern, umformulieren oder teilen können, hingegen „artgerecht“ etwas impliziert was mit der Freiheit und dem Leben eines Wesens in direkter Verbindung steht. Wenn wir unsere Kultur hinterfragen, dann auf essenzieller Ebene.

In dieser rhetorischen Auseinandersetzung stehen Menschen, oft ohne Eigeninteresse, gegenüber einer finanzierten Lobby, wessen Interesse ein wachsender freier Markt ist. Diese von Menschenhand gemachte Maschinerie hegt kein Interesse über Leben und Tod, sondern Wachstum, Wachstum über alles.

Die Entscheidung des EU-Parlaments, die Klage der Lobbyisten zu verwerfen, hegt in mir den kleinen Hoffnungsschimmer eines großflächigen Wandels in der Menschheitsgeschichte.

Weg von Ellenbogengesellschaft, dem Sozialdarwinismus und dem Hang Gott zu spielen, hin zu einem liebevollen, wertschätzenden Umgang mit seiner Umwelt, indem der Homo sapiens sich der Macht seines Bewusstseins, inklusive Moral- und Ethik Vorstellungen, zunutze macht, und diesen Planeten zu einem lebenswerten Ort für Alle umgestaltet.

Dafür denke ich. 

Dafür schreibe ich. 

In Liebe. Miissi

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