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Der Weg der Erkenntnis

November 2020

Infolge meiner Entscheidung vegan zu leben, mich mit dem Thema auseinanderzusetzen, meiner Tätigkeit bei der VSL, viele geführte Gespräche und erlebte Bekanntschaften, bewegen mich dazu immer wieder in Fragestellungen zu tauchen. Dabei komme ich nicht drumherum mir viele Gedanken zu machen und mich weiter zu vertiefen. Ich verspüre den Drang dies mit meinen Mitmenschen zu teilen und dies schlussendlich hier in Form eines Blogs zu dokumentieren. Ehe ich tiefgründiger meine Gedankenwelt nach aussen wölbe, möchte ich euch kurz die Geschichte erzählen, wie es dazu kam.

 

Vor etwas mehr als 10 Jahren erwartete ich mein erstes absolutes Wunschkind, was mich veranlasste meinem Körper und damit auch den meines ungeborenen Kindes Gutes zu tun. Ich setzte mich mit Lektüren über Schwangerschaft und gesunder Entwicklung von Babys und Kleinkindern auseinander. Dies führte zu einer neuen, abwechslungsreichen, vollwertigen Art des Essens, einem lebendigeren Körpergefühl und überdies auch immer mehr die Erkenntnis vom globalen Zusammenhang von Konsum und dessen Auswirkungen auf uns und unsere Umwelt.Mit diesem Wissen achtete ich beim Einkauf mehr und mehr auf biologisch erzeugte und fair gehandelte Produkte und begab mich in eine Auseinandersetzung mit diesen Themen. Ein neues Verständnis ging mir auf.

Mir wurde immer bewusster, dass jeder Kassenbon einen Einfluss auf das Weltgeschehen darstellt, und aus meiner sehr eingeschränkten Perspektive wurde ein politisches Handeln.

Je mehr ich das System verstand, umso mehr änderte sich mein Konsum von Waren. Dabei konnte ich die Ausbeutung von Tieren neben dem Menschen und der Umwelt nicht außen vor lassen und strich den Verzehr von tierischem Fleisch aus meinen Gewohnheiten.

Als Pescetarier, weiterhin Fisch konsumierend, wurde ich öfter mit Fragen hinsichtlich Hypokrisie und Doppelmoral diesbezüglich konfrontiert. Zurecht. Ich reflektierte daraufhin mein Handeln und strich den Genuss von Meeresbewohnern aus meinem Leben.

Mein kurzes Vegetarier-Dasein war begleitet von ständig drückenden, ethischen Fragen, welche ich mir zu kompensieren versuchte indem ich regionale und biologische Erzeugnisse  bevorzugte und mich der Hoffnung hingab, die Realität dieses moralisch richtigen Handelns bestätigt zu bekommen. Dem war nicht so.

Meine Gewissensbisse leiteten mich zu einem Bio Bauernhof in Luxemburg, welcher einen Tag der offenen Tür anbot. Der Bauer war sehr ehrlich und aufrichtig, was dazu führte, dass ich an diesem Tag beschloss in der Zukunft vegan leben zu wollen. Wie kam es dazu?

Der nette Bauer machte mit uns einen Rundgang über seinen Hof. Als letzter Halt, die Milchkühe (allein dieser Ausdruck löst mittlerweile Grauen in mir aus). Mit seriösem und etwas unentspanntem Gesichtsausdruck erzählte er uns über das unüberwindbare Leid folgend der Trennung des frisch geborenen Kalbes von dessen Mutter. Damit es sich überhaupt lohnt, die Milch der Kuh zu entnehmen um damit Profit zu machen bleibt dem Mann nur die Entscheidung einer Separierung unverzüglich nach der Geburt oder nach ein paar Tagen des Zusammenseins, wobei sich eine starke Bindung entwickelt und der Entzug des Kindes zu einem Trennungsschmerz führt, der tagelang durch lautes Rufen wahrnehmbar ist. Ein Rufen, welches der Bauer als Weinen interpretiert und das ihm den Schlaf raubt.

Als empathiefühliger Mensch, war ich mir gleich sicher, dass die Empfindungen des Mannes richtig sind, dass die Tiere sich vermissen, die Wärme, die Liebe, die Geborgenheit. Ich sah meinen kleinen Sohnemann an und mir lief eine Träne die Wange herunter. All diese schönen Gefühle werden diesen Nutztieren genommen. Die Essenz welche das Leben auf diesem Planeten zur Glückseligkeit ergänzt, beraubt des Menschens. In meinen Augen ist dies eine Schandtat der gegenwärtigen Gesellschaft in welche ich geboren wurde und ich möchte mich diesem Akt der Grausamkeit und Skrupellosigkeit entziehen und parallel versuchen dieses Verständnis, welches mir in Achtsamkeit geschenkt wurde, mit soviel Respekt wie möglich meinen Mitmenschen aufzeigen.

Dafür denke ich. Dafür schreibe ich.

In Liebe Miissi

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